Die Demokratie-Weltmeisterschaft 2026

Was wäre, wenn die Weltmeisterschaft nicht durch Fussballspiele, sondern durch die Qualität der Demokratie der einzelnen Länder entschieden würde?

Die 48 Mannschaften, die sich für die Fussball-Weltmeisterschaft 2026 qualifiziert haben – die in Mexiko, Kanada und den USA stattfand – haben sich nach ganz anderen Kriterien qualifiziert als denen, die wir bei der Weltmeisterschaft der Demokratie anwenden.

Unser Turnier wurde durch freie und faire Wahlen, Rechtsstaatlichkeit und umfassende Formen partizipativer, direkter und lokaler Demokratie entschieden. So würde ein solcher Wettbewerb unter 48 Ländern, in 12 Gruppen und 104 Spielen ablaufen, wenn Demokratie statt Tore über die Sieger entscheiden würde.

 
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Gruppe A: Die Gruppe der Demokratie

Mexico, Südafrika, Südkorea, Tschechische Republik

Bei der Weltmeisterschaft wird die Gruppe mit der höchsten Wettbewerbsintensität als 'Todesgruppe' bezeichnet. Nach unseren Massstäben ist Gruppe A die 'Gruppe der Demokratie'.


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Gruppe D: Die Krisengruppe

Vereinigte Staaten, Paraguay, Australien, Türkei


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Gruppe G: Die Gruppe des alten Ruhmes

Belgien, Ägypten, Iran, Neuseeland


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Gruppe J: Die Achterbahn-Gruppe

Argentinien, Algerien, Österreich, Jordanien


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Gruppe B: Die Föderalisten-Gruppe

Kanada, Bosnien und Herzegowina, Katar, Schweiz


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Gruppe E: Die Lokalisten-Gruppe

Deutschland, Curaçao, Elfenbeinküste, Ecuador


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Gruppe H: Die Modernisierungsgruppe

Spanien, Kap Verde, Saudi-Arabien, Uruguay


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Gruppe K: Die Anfängergruppe

Portugal, DR Kongo, Usbekistan, Kolumbien


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Gruppe C: Die partizipative Gruppe

Brasilien, Marokko, Haiti, Schottland


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Gruppe F: Die Gruppe der Zweifler

Niederlande, Japan, Schweden, Tunesien


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Gruppe I: Die Gruppe des Fortschritts

Frankreich, Senegal, Irak, Norwegen


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Gruppe L: Die Mittelfeldgruppe

England, Kroatien, Ghana, Panama


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Acht Drittplatzierte kommen weiter

Um zu bestimmen, welche acht Drittplatzierten sich einen Wildcard-Platz in der Runde der letzten 32 sichern, müssen wir uns genau die Kluft zwischen stabilen repräsentativen Nationen mit aufkeimender lokaler Autonomie und solchen ansehen, die durch institutionelle Lähmung oder zentralistische autokratische Strukturen blockiert sind. In dieser Turnierrunde unterscheiden sich die weiterkommenden Teams durch ihre strukturelle Grundausstattung an bürgerlichen Freiheiten und ihre aktiven, verfassungsrechtlichen Bemühungen, Macht auf die kommunale Ebene zu verlagern.

Die Spitzenreiter dieser Wildcard-Gruppe sind Japan und Südafrika. Zwar fehlen ihnen die auffälligen, hochmodernen Instrumente der partizipativen und direkten Demokratie ihrer Gruppensieger, doch sie zeichnen sich durch institutionelle Stabilität, Bemühungen zur Überwindung von Einparteienregimen und hochfunktionale, transparente kommunale Verwaltungen aus.

Zu ihnen gesellt sich ein weiteres Trio afrikanischer Überflieger: Kap Verde, Senegal und Ghana. Diese drei Nationen kommen weiter, weil sie in den letzten Jahrzehnten die Dezentralisierung gesetzlich verankert haben – wie beispielsweise Ghanas System der Bezirksversammlungen und Senegals „Acte III“-Reformen –, wodurch lokale Gemeinschaften weitaus mehr finanzielle und politische Handlungsfähigkeit erhalten haben als in typischen Entwicklungsländern.

Curaçao sichert sich einen Platz dank seiner robusten Selbstverwaltung auf Inselebene, während Paraguay und Marokko sich den Einzug sichern, indem sie einfach funktionierende verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen und grundlegende lokale Petitionsmechanismen aufrechterhalten, die die übrige Konkurrenz übertreffen.

Vier drittplatzierte Mannschaften reisen nach Hause

Bosnien und Herzegowina (Gruppe B) – Ausgeschieden aufgrund starker administrativer Zersplitterung und ethnischer Vetos, die die Handlungsfähigkeit der Bürger lähmen.
Jordanien (Gruppe J) – Bleibt zurück aufgrund einer stark zentralisierten Exekutive und monarchischen Macht, die wenig Raum für basisdemokratische Instrumente lässt.
Usbekistan (Gruppe K) – Trotz geringfügiger moderner digitaler Verbesserungen bei der Rückkopplung bleibt das Land zu stark zentralisiert, um mithalten zu können.
Ägypten (Gruppe G) – Landet am Ende der Wildcard-Rangliste aufgrund eines stark zentralisierten Staatsapparats mit minimalen echten Beteiligungsmöglichkeiten.


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Der Fussball-K.-o.-Baum – diesmal entschieden durch die Qualität der Demokratie.

Vom Social-Media-Experiment zur internationalen Zusammenarbeit

Die Kampagne erreichte Menschen in verschiedenen Weltregionen und löste Zustimmung, Widerspruch und Ergänzungen aus. Dadurch wurde auch sichtbar, wie schwierig demokratische Vergleiche sind: Welche Kriterien zählen, wessen Wissen fliesst ein und welche Erfahrungen werden übersehen? Aus dem Turnier entstand so ein internationales Gespräch über Demokratie.

AUSGANGSPUNKT FÜR INTERNATIONALEN DIALOG

Aus den Rückmeldungen auf den Democracy World Cup entstanden neue Kontakte und konkrete Formen der Zusammenarbeit. Gemeinsam mit International IDEA bereiten wir derzeit ein regionales Dialogforum im südlichen Afrika vor. Menschen aus Zivilgesellschaft, Medien, Wissenschaft, Jugendorganisationen und Diplomatie sollen dort ihre Erfahrungen miteinander teilen und unterschiedliche Perspektiven auf demokratische Entwicklung sichtbar machen. Der Democracy World Cup wird dabei zum Ausgangspunkt für eine weiterführende Frage: Wie können internationale Institutionen zuhören, ohne lokale Erfahrungen vorschnell in bestehende Kategorien einzuordnen?

DEMOKRATISCHE ZUHÖR- UND LERNPROZESSE

Demokratien verfügen über Wahlen, Parlamente, Abstimmungen und Beteiligungsverfahren. Häufig fehlt jedoch eine verlässliche Struktur, durch die Erfahrungen aus der Bevölkerung aufgenommen, miteinander verbunden, erinnert und in institutionelles Lernen übersetzt werden. Aus den Gesprächen der vergangenen Monate entwickeln wir deshalb einen ersten Ansatz für demokratische Zuhör- und Lernprozesse. Im Zentrum stehen die Hoffnungen, Bedürfnisse, Verantwortungen und Fähigkeiten unterschiedlicher Menschen. Erste Elemente sollen zum Beispiel im geplanten Dialogforum im südlichen Afrika sowie im Global Forum on Modern Direct Democracy in Botswana diesen Oktober praktisch erprobt und gemeinsam weiterentwickelt werden.

EINLADUNG ZU DEMOCRACIA VIVA IN BUENOS AIRES

Die Fragen des Democracy World Cup haben auch in Lateinamerika Interesse geweckt. Asuntos del Sur hat die Schweizer Demokratie Stiftung eingeladen, den Ansatz bei Democracia VIVA in Buenos Aires vorzustellen und gemeinsam mit demokratischen Praktiker:innen weiterzudenken. Im Mittelpunkt steht weniger das Turnier selbst als die Frage, wie aus öffentlicher Kommunikation neue Beziehungen, gemeinsames Lernen und konkrete Zusammenarbeit entstehen können. Ob eine Teilnahme vor Ort bereits in diesem Jahr möglich sein wird, ist noch offen. Die Einladung ist dennoch ein wichtiger nächster Schritt.